Kirchen schonend beheizen

Wie im Himmel

Kirchenvorstand Alfons Kümmel hatte sich zum Ziel gesetzt, seine Kirche effizient zu beheizen. Jetzt haben es die Gläubigen nicht nur angenehm warm, sondern sparen auch noch viel Geld.

Lüchtringen ist ein beschauliches 3.000-Seelen-Dorf im Erzbistum Paderborn, direkt an der Weser gelegen. Auf einer leichten Anhöhe erbaut, überragt die katholische Kirche St. Johannes Baptist alle anderen Häuser im idyllischen, alten Dorfkern. Doch die Gläubigen waren im Laufe der Zeit durchaus schweren Prüfungen ausgesetzt. Im Jahre 1901 brannte ihre Kirche nieder; in harter Arbeit baute die Gemeinde sie im neugotischen Stil wieder auf. In den 1990er Jahren trat die Weser über ihre Ufer und flutete den Heizungskeller. Die alte Ölheizung wurde notdürftig hergerichtet. Aber sie tat ihren Dienst nicht mehr richtig; die Kirche war feucht, die Orgel oft verstimmt, und die Messebesucher mussten im Winter frieren. Doch für eine neue Heizungsanlage war kein Geld da.

Kirche Lüchtringen

Es war nach einem dieser Gottesdienste, als der altgediente Kirchenvorstand Alfons Kümmel von einer Fördermaßnahme des erzbischöflichen Generalvikariats erfuhr. Die Kirchenverwaltung hatte ein Programm aufgelegt, bei dem Maßnahmen für Energieeffizienz im Erzbistum mit 80 Prozent Zuschuss unterstützt werden sollten. Hinzu kamen Fördermöglichkeiten durch KfW-Zuschüsse. Gleich am nächsten Tag eilte Kümmel nach Paderborn. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, berichtet er. „Ich sah unsere Chance zur Finanzierung einer modernen Heizanlage gekommen. Also fuhr ich hin, um unsere Ansprüche anzumelden.“ Das bedeutete zwar jede Menge Papierkram – aber darin war Kümmel, der hauptberuflich in der Kreisverwaltung arbeitete, schließlich geübt.

Im Januar 2012 war es dann soweit: die Sanierung konnte beginnen. „Das war gar nicht so einfach, weil unsere Kirche ganz andere Anforderungen hatte als normale Wohngebäude. Der zu beheizende Raum ist sehr groß, und es gibt keine Möglichkeiten für zusätzliche Dämmung“, schildert Kümmel. „Wir konnten ja nicht einfach die Kirchenfenster austauschen.“ Deswegen zog der Kirchenvorstand Experten zu Rate – unter anderem eine ortsansässige Installationsfirma und einen großen Hersteller von Haustechnik, der in der Region beheimatet ist. Schließlich fiel die Entscheidung für die Wärmepumpen-Technologie. Direkt neben der Kirche wurden zwei Brunnen gebohrt, die zwei Grundwasser-Wärmepumpen mit Wasser versorgen. „Das ist hier reichlich vorhanden, die Weser ist ja nur wenige Meter entfernt.“ Das Wasser hat meist eine Temperatur von etwa zehn Grad und überträgt die Energie über einen Wärmetauscher an ein Solegemisch, das die Wärme zur Pumpe leitet.

Kirche Lüchtringen

Jetzt machten sich die Planer eine Besonderheit zu Nutze. Denn die Basistemperatur muss in der Kirche ganzjährig lediglich zehn bis zwölf Grad Celsius betragen; nur während der Kirchenveranstaltungen wird zusätzliche Wärme benötigt. Ihre Heizstrategie war deswegen zweigleisig. Für die Grundlast installierten sie eine Fußbodenheizung – dies war vor allem deswegen leicht umsetzbar, weil der alte Steinfußboden ohnehin saniert werden musste. Während der Gottesdienste sorgt eine zusätzliche Luftheizung für angenehme Temperaturen. Beide Systeme werden von den Wärmepumpen versorgt. Für die Fußbodenheizung genügt eine Vorlauftemperatur von etwa 30 Grad Celsius. Für die Luftheizung wird das Heizungswasser in einem 1.500-Liter-Pufferspeicher auf etwa 50 Grad Celsius erwärmt. Über einen Wärmetauscher gibt das Wasser die Energie bedarfsweise an die Luft ab, die aus Luftauslässen seitlich vor den Beichtstühlen und im Altarraum strömt.

Seither hat das Frieren in Lüchtringen ein Ende. „Vor allem gibt es keine Fußkälte mehr, weil die Wärme von unten kommt“, freut sich Kümmel. Für die Gemeinde hat sich die Maßnahme aber in mehrfacher Hinsicht gelohnt. Denn die Stromkosten für die Wärmepumpen betragen nur noch ein Fünftel der Kosten für die alte Ölheizung. Und durch die allmähliche Raumerwärmung werden die Orgel und die wertvollen Holzaltare geschont. Im gesamten Erzbistum gilt die Kirche in Lüchtringen deswegen als Musterprojekt. Kümmel ist aber auch klar, dass die neue Anlage alleine den allgegenwärtigen Schwund an Mitgliedern nicht aufhalten wird. „Natürlich gehen die Gläubigen jetzt gerne in die Kirche. Ob die Menschen aber überhaupt hierher kommen, hängt am Ende doch von ihrem Glauben und ihrer Einstellung zur Kirche ab.“

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer