SCHWIMMBAD ALS PASSIVHAUS

Unter Palmen

In Schwimmbädern verdunstet viel Wasser. Die Entfeuchung der Luft kostet aber Energie. Für das Bamberger Schwimmbad „Bambados“, ausgeführt in Passivhaus-Bauweise, hat Christoph Jeromin gleich mehrere Lösungen parat.

Christoph Jeromin wischt sich die Stirn. Im Freizeitbad, durch das er uns führt, herrscht eine Temperatur von 32 Grad Celsius und eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit von 58 Prozent. Mit Hemd und langer Hose ist das viel zu warm. Von einer Empore aus betrachten wir die Badelandschaft. Am Beckenrand entspannen sich Eltern auf Liegestühlen unter strohbedeckten Schirmen und haushohen Palmen, während ihre Kinder sichtlich vergnügt im 32 Grad warmen Wasser des Strömungskanals toben. Jeromin verantwortet bei den Stadtwerken Bamberg die Bäder und die Wasserversorgung – und damit auch das Freizeitbad „Bambados“, das kein gewöhnliches Hallenbad ist. Es wurde 2011 als erstes Schwimmbad Europas in Passivhaus-Bauweise eröffnet, und höchste Energieeffizienz ist hier oberstes Prinzip.

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Die hohe Luftfeuchtigkeit ist Teil des Konzeptes, möglichst sparsam mit Energie umzugehen. „Durch die starke Dämmung des Baukörpers und die Spezialverglasung können wir das Bad mit einer höheren Luftfeuchte betreiben als gewöhnlich“, berichtet Jeromin. „Denn durch die thermische Trennung von Raumluft und Außenluft haben wir praktisch keine Taupunkte, an denen die Feuchtigkeit kondensieren kann.“ Die Luftfeuchtigkeit ist in Schwimmbädern vor allem deswegen hoch, weil viel Wasser aus den Becken verdunstet. Das ist im Bambados-Freizeitbad mit seinen 1.800 Quadratmetern Wasserfläche nicht anders. „Da wir aber nicht auf 50 Prozent wie üblich, sondern nur auf 58 Prozent entfeuchten, sparen wir an Lüftungsleistung. Im Vergleich zu konventionellen Schwimmbädern benötigen wir so nur etwa die Hälfte an elektrischer Energie für die Lüftung“, erklärt der Diplom-Geologe, der sich während seines Studiums der Hydrogeologie vor allem mit der Gewinnung und der Aufbereitung von Trinkwasser beschäftigte.

Als Jeromin vor zehn Jahren zu den Stadtwerken Bamberg kam, war das auch seine Hauptaufgabe: die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser. Es gab aber noch ein anderes Thema. Das alte Schwimmbad im Stadtzentrum, das aus den 1960er Jahren stammte, kämpfte mit baulichen Mängeln und einem Rückgang der Besucherzahlen. Die Planung für einen Neubau neben dem Stadion-Freibad im Nordosten Bambergs war schon im vollen Gange, als die Stadtwerke auf die Idee kamen, das neue Hallenbad als Passivhaus zu errichten. „Das bedeutete eine Mehrinvestition von fünf Millionen Euro, der wir aber deutlich niedrigere Betriebskosten gegenrechnen konnten“, berichtet Jeromin. Die Stadtwerke holten das Darmstädter Passivhaus-Institut ins Boot und gaben dem Bad eine besondere, ovale Form, die an einen Kieselstein erinnert. Dadurch erreichten sie ein günstiges Verhältnis von Oberfläche zu Volumen. Die Fensterfronten richteten sie nach Süden aus, um möglichst viel Sonnenwärme einzufangen.

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Mit Liebe zum Detail entwickelten Jeromin und sein Team dann Techniken für höhere Effizienz. So entwickelten sie die „Bamberger Rinne“, um das überlaufende Wasser aus den Becken aufzufangen. Diese Rinne besteht aus keramischen Hohlkörpern, die nach oben hin geschlossen sind. Dadurch kann die Verdunstungsfeuchte aus dem umlaufenden Wasser nicht in die Raumluft entweichen. Aus der Abluft und dem Rückspülwasser der Becken gewinnen Wärmetauscher und Wärmepumpen rund 90 Prozent der Energie zurück und geben sie an Zuluft und Frischwasser ab. Die Grundlast des Energiebedarfs deckt Jeromin mit einer Solaranlage auf dem Dach in Verbindung mit einem Blockheizkraftwerk ab, das aus Holzhackschnitzeln Strom und Wärme erzeugt. Und die spiralförmigen Großwasserrutschen, in denen die Kinder hinuntersausen, wurden ins Innere des Gebäudes integriert. Durch all diese Maßnahmen konnten die Wärmeverluste gegenüber einem konventionellen Hallenbad um rund 75 Prozent reduziert und der CO2-Ausstoß sogar um etwa 80 Prozent gesenkt werden.

Weil ein großer Teil des Beckenwassers über eine UV-Anlage wieder aufbereitet wird, hat das neue Schwimmbad mit 50.000 Kubikmetern pro Jahr zudem einen Wasserverbrauch, der mit dem Bedarf des alten Schwimmbads vergleichbar ist – bei einer vierfachen Wasserfläche. Die braucht es aber auch, denn die Bamberger Bürger haben ihr Passivhaus-Schwimmbad ins Herz geschlossen. Kamen zuletzt nur noch 50.000 Besucher pro Jahr ins alte Bad, so zählt das Bambados mittlerweile 200.000 Badegäste, die das tropische Klima unter den hohen Palmen zu schätzen wissen – Saunagäste, Schul- und Vereinssportler noch gar nicht eingerechnet.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer