ENERGIEEFFIZIENZ IM GEMÜSEANBAU

Treibhaus effektiv

Mit Wärme aus Geothermie, einer ausgeklügelten Heizungs- und Klimasteuerung, Solarstrom und einem regionalen Vermarktungskonzept baut Josef Steiner Tomaten und Paprika an – und spart jährlich 13.000 Tonnen CO2 alleine beim Heizen.

Schwüle Luft schlägt dem Besucher der riesigen Plantage entgegen. In langen Reihen wachsen Tomatenpflanzen empor; ihre Spitzen befinden sich in etwa vier Metern Höhe. Weiter hinten unzählige Paprikaschoten in verschiedenen Formen und Farben. Auf insgesamt 11,8 Hektar Fläche baut Josef Steiner in Kirchweidach im Südosten Bayerns, kurz vor der österreichischen Grenze, fast ganzjährig Tomaten und Paprika an. Vor zwei Jahren errichtete Steiner hier sein Gewächshaus, mit dem Ziel, das Gemüse besonders nachhaltig und effizient zu produzieren. „Wir haben hier weitaus bessere klimatische Bedingungen als etwa in Holland oder Belgien“, berichtet Steiner. „Denn hier gibt es mehr Licht und mehr Sonnenstunden. Wir müssen nur im Winter etwas mehr heizen.“

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Also machte sich Steiner auf die Suche nach einer geeigneten Wärmequelle. Eine auf fossilen Energieträgern basierende Heizung schied für ihn dabei aus. Zunächst hatte er die Idee, die Abwärme von Industriebetrieben oder die eines nahegelegenen Müllheizkraftwerkes zu nutzen. Dann erfuhr er aus einem Zeitungsbericht von einer Geothermiebohrung in 3.700 Metern Tiefe für ein geplantes Kraftwerk in Kirchweidach. „Da habe ich eben mein Gewächshaus hin zur Wärmequelle gebracht.“ In der Bauzeit von einem Jahr errichtete er das Treibhaus aus gehärteten Glasplatten, die ein diffuses Streulicht erzeugen, verlegte 380 Kilometer Heizungsrohre und legte ein 45.000 Kubikmeter großes Regenwasser-Sammelbecken für die komplette Wasserversorgung an. Im Sommer 2014 ging die Anlage in Betrieb.

Mit einem ausgefeilten System sorgt Steiner dafür, dass die Wärme aus der Geothermiebohrung möglichst effizient genutzt wird. Dabei ist es wichtig, möglichst viel Wärme im Wärmetauscher am Bohrplatz aus dem 125 Grad Celsius heißen Thermalwasser zu gewinnen – Zielwert für den Rücklauf ist eine Temperatur von etwa 35 Grad. Zu diesem Zweck nimmt ein zweiter Wasserkreislauf die Thermalwärme auf. Mit 95 bis 98 Grad wird dieses Wasser zur Heizzentrale geleitet und gelangt von dort in einen 3.600 Kubikmeter großen Puffertank, der das Gewächshaus flexibel mit Wärme versorgt. Ein kleinerer Teil des Wassers wird im Fernwärmenetz zum Beheizen der Wohngebäude in Kirchweidach genutzt. Da dessen Rücklauf mit 70 Grad noch zu heiß ist, wird er anschließend wieder in die Heizzentrale geleitet. Zusätzlich wird die Abwärme einer Biogasanlage ins System integriert. Erst wenn das Wasser auf 30 Grad heruntergekühlt ist, gelangt es zurück zum Bohrplatz.

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„Mit unserer Geothermieheizung erzeugen wir 50.000 Megawattstunden Wärme pro Jahr“, rechnet Steiner zusammen. „Das entspricht etwa fünf Millionen Litern Heizöl und einer Einsparung von rund 13.000 Tonnen Kohlendioxid.“ Doch dem energiegeladenen Unternehmer, der zuvor bereits eine Baumschule und eine Heidelbeerplantage aufgebaut hatte, reichte das noch nicht aus. Auf dem Dach seines Technikgebäudes errichtete er eine PV-Anlage, die 35 bis 40 Prozent des Strombedarfs abdeckt – etwa für die Transportpumpen der Fernwärmeleitung, die Bewässerungspumpen, die UV-Entkeimungsanlage und für die Lüftungsanlage. „Die Pflanzen vertragen keine stehende Luft. Deswegen verteilen wir Feuchtigkeit und Temperatur mit insgesamt 120 Ventilatoren.“ Dafür hat er das Treibhaus in 15 Zonen aufgeteilt und mit Sensoren ausgestattet, die der Klimasteuerung fortlaufend Messdaten für Feuchtigkeit, Temperatur und Lichteinstrahlung liefern.

Während Steiner ein paar tiefrote Cocktailtomaten reicht, erläutert er sein Vermarktungskonzept. Denn auch das ist ganz auf Effizienz ausgelegt. „Hundert Prozent unserer Ware bleibt in Bayern und wird von Rewe als Regionalprodukt vermarktet. Bei der Sortenwahl achten wir nicht auf Masse, sondern auf Qualität und ernten das Gemüse erst, wenn es auch reif ist. Schließlich haben wir ja kurze Wege – das Gemüse von heute ist schon morgen auf den Ladentheken.“ Und Steiner verzichtet auf den Einsatz von Insektiziden: Gegen Schädlinge hat er eine Armada an Nützlingen wie Marienkäfer und Raubmilben in Stellung gebracht; die Bestäubung der Blüten erledigen Hummeln. Das Ergebnis überzeugt: der Redakteur genießt den intensiven Geschmack der Tomaten, während die eine oder andere Schweißperle die Stirn herunterrinnt.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Magdalena Jooss