ENERGIENEUTRALES HOTEL

Schöner schlafen

Die Freiburger Hoteliers Astrid und Bertam Späth bezeichnen ihr Hotel Victoria als energieeffizientestes Hotel der Welt. Mit Solarkraftwerk, Windpark, Pelletheizung und Solarthermie erzeugen sie mehr Energie, als sie verbrauchen. Ihre Gäste müssen dabei nicht auf Komfort verzichten.

Ein wenig laufen muss der Saunagast schon. Im Bademantel geht es durch den Hotelflur zum Aufzug, dann fährt man ganz nach oben und geht noch eine letzte Treppe hinauf. Und dann hinaus an die frische Luft. Wir sind im Energie-Dachgarten des Freiburger „Hotel Victoria“. Auf dem mit Moosen und Flechten begrünten Dach stehen nicht nur Liegestühle, sondern auch viele Solarmodule in langen Reihen. Der Besucher kann die dünnen Solarzellen, die auf Glasplatten montiert sind, genau in Augenschein nehmen. Mittendrin eine Hollywood-Schaukel. Wer dort Platz nimmt, kann auf das etwas höher gelegene Dach über dem Treppenhaus sehen – und erblickt vier kleine Windturbinen. Ohne Zweifel: Dieser Dachgarten soll nicht nur dem Hotelgast dazu dienen, neue Energie zu tanken. Hier wird auch ganz handfest Energie produziert.

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„In unserem Haus kann man energieneutral übernachten“, sagt Astrid Späth mit Stolz. „Unsere Gäste hinterlassen keinen ökologischen Fußabdruck.“ Seit mehr als 30 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Bertram Späth das Best Western Hotel Victoria in der Freiburger Eisenbahnstraße, zwischen Hauptbahnhof und Fußgängerzone gelegen. Schon kurz nachdem die beiden den Familienbetrieb übernahmen, setzten sie ihr Öko-Konzept nach und nach, aber konsequent um. „Von Anfang an setzten wir auf Energieeffizienz durch Technik – und nicht durch Verzicht auf Komfort für unsere Gäste“, betont Bertram Späth. Heute führen sie eine Herberge, die als eines der energieeffizientesten Hotels der Welt gelten kann.

Die Formel dafür klingt erst einmal recht einfach: Viel regenerativ erzeugter Strom und wenig Verbrauch ergibt einen Überschuss an Energie, der ins Netz eingespeist werden kann. Von Vorteil ist dabei die Lage: Freiburg gilt als eine der sonnenreichsten Städte in Deutschland. Das 200 Quadratmeter große Solarkraftwerk auf dem Dach produziert rund 20.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Zusammen mit den vier kleinen Windturbinen reicht das aus, um alle 65 Hotelzimmer mit Strom zu versorgen. Den restlichen Bedarf decken die Hoteliers über eine Beteiligung an einem Windpark im nahegelegenen Ettenheim. Mit dieser Beteiligung werden zusätzliche 70.000 Kilowattstunden sauberer Strom pro Jahr erzeugt.

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„Natürlich geht das Konzept nur deswegen auf, weil wir gleichzeitig die Energie sehr effizient verwenden“, erläutert Astrid Späth. Das fängt schon im Kleinen an, etwa bei der Umstellung der Beleuchtung auf LEDs. Bereits 2009 begann das Ehepaar mit der Umrüstung der Flure. Jetzt werden die LEDs flächendeckend eingesetzt, sobald eine alte Lampe kaputt ist. „Die LED-Technik ist mittlerweile so vorangeschritten, dass Lichtfarbe und Schattenwurf dem Anspruch unserer Gäste an Behaglichkeit genügen“, erläutert Bertram Späth. Ein anderes Beispiel ist die Waschküche, wo moderne Großgeräte etwa 30 Prozent weniger Strom verbrauchen.

Die größte Ersparnis bringt eine Grundwasserkühlung, die die klassische Klimaanlage ersetzt. Aus 24 Metern Tiefe saugt eine Pumpe etwa 10 Grad Celsius kaltes Wasser aus einem Brunnen im Innenhof des Hotels und führt es zu einem Wärmetauscher, der die Kälte an einen zweiten Wasserkreislauf abgibt. Dieser führt die Kälte über ein Röhrensystem zu jedem einzelnen Zimmer. Mit maximal 16 Grad wird das Brunnenwasser vom Wärmetauscher zurück in die Erde geführt.

Für die Versorgung mit Warmwasser dient eine Holzpellet-Heizung, die 300 Kilowatt leistet und durch eine 30 Quadratmeter große, thermische Solaranlage ergänzt wird, die sich ebenfalls im Energie-Dachgarten befindet. „Die Kunst war, die drei 1.200 Liter-Pufferspeicher im Keller so einzubinden, dass möglichst viel Solarwärme genutzt werden kann, wenn sich die Gäste morgens duschen – ohne dass das Wasser kalt wird“, erklärt Bertram Späth. Die Pelletheizung erwärmt das Wasser deswegen in Kaskaden. Sobald ausreichend Sonnenwärme zur Verfügung steht, wird das Warmwasser direkt in einen Extraspeicher für die Solarthermie geführt.

„Als wir Ende der 80er Jahre mit zwei Blockheizkraftwerken begannen und uns für phospatfreie Waschmittel, ein verpackungsfreies Frühstücksbuffet und regionale Produkte einsetzten, galten wir noch als Spinner“, erzählt Astrid Späth, während sie an ihrer Elektrotankstelle im Innenhof steht. „Wir hätten nicht gedacht, dass der bewusste Umgang mit den Ressourcen eines Tages völlig selbstverständlich sein wird.“ Mit ihrem Hotel wollen die beiden – die selber Eltern sind – dazu beitragen, „die Welt enkelfähig zu halten“, wie sie sagen. Dass das nicht immer ganz einfach ist, wissen sie: „Nachhaltige Technologien einzuführen, ist am Anfang oft aufwändiger. Aber es zahlt sich aus“, meint Bertram Späth. Dieses Gefühl hat auch der Gast, wenn er im Dachgarten zwischen Solarpaneelen in der Sonne liegt.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer