Effiziente Haustechnik in Kliniken

Prima Klima

Intelligente Haustechnik kann im Operationssaal ein optimales Arbeitsklima bieten und dabei noch viel Energie sparen. Mit Energiespar-Contracting hat Klinik-Chefin Marianne Baehr ein Finanzierungskonzept dafür gefunden.

Blinddarmoperation an der Aller-Weser-Klinik in Achim bei Bremen. Ein Routineeingriff. Modernste Medizintechnik unterstützt die Chirurgen bei ihrer Arbeit, wie an vielen deutschen Kliniken. Doch hier können die Ärzte auch den Operationssaal genau temperieren und den Standardwert von 22 Grad Celsius nach Wunsch um drei Grad hinauf- oder hinuntersetzen. Denn ihre Chefin Marianne Baehr setzt auf intelligente und effiziente Haustechnik. Mit zwei Blockheizkraftwerken, neuen Belüftungsanlagen, einer Wärmerückgewinnung und intelligenter Steuerungstechnik sorgt sie für ein gutes Arbeitsklima. Und ihre Klinik konnte den Energieverbrauch durch die umfassende Modernisierung um mehr als die Hälfte senken.

Aller-Weser-Klinik in Achim

Als die gebürtige Schleswig-Holsteinerin vor vier Jahren die Leitung der Aller-Weser-Kliniken übernahm, war das Projekt schon am Rollen. „Die 30 Jahre alten Anlagen waren störanfällig und es zeichnete sich ab, dass die Richtlinien auf Dauer nicht mehr eingehalten werden können“, berichtet Baehr. „Deswegen hatte unser Team um Technik-Chef Reiner Schmidt die Erneuerung der Haustechnik über eine spezialisierte Firma ausschreiben lassen und mit Siemens einen Partner gefunden.“ Angesichts chronisch klammer Kassen wurde zur Finanzierung dabei ein innovatives Verfahren gewählt: das sogenannte Energiespar-Contracting. Das kannte Baehr bereits aus ihrer Zeit in einem Berliner Krankenhaus, das sie zuvor geleitet hatte. „Das Contracting ist für Klinikbetriebe grundsätzlich eine gute Möglichkeit, notwendige Maßnahmen zu finanzieren“, ist sie überzeugt.

Die Idee dahinter ist im Grunde recht einfach. Die Finanzierung der neuen Haustechnik übernimmt nicht die Klinik, sondern das beauftragte Unternehmen, das zudem eine jährliche Einsparmenge garantiert. Diese eingesparten Kosten können dann durch die Klinik zur Refinanzierung der Maßnahme verwendet werden. „Dadurch haben wir kein Risiko“, freut sich Baehr. „Sollte der Einspareffekt nicht eintreten, dann muss Siemens einspringen.“ Damit es dazu nicht kommt, wurde zum einen der Energiebedarf im Vorfeld genau ermittelt. Zum anderen werden die Anlagen und Energieverbräuche ständig durch Siemens überwacht und auf neue Gegebenheiten angepasst. „Wir liegen derzeit 25 Prozent über Soll. Dadurch haben beide Seiten einen weiteren finanziellen Vorteil, denn die zusätzliche Einsparung wird zwischen den beiden Partnern aufgeteilt.“

Aller-Weser-Klinik in Achim

Mit den so bereitgestellten Mitteln konnte das relativ kleine Krankenhaus, das 140 Betten hat und in dem etwa 300 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr arbeiten, eine umfassende Sanierung vornehmen und seinen jährlichen CO2-Ausstoß um 1.444 Tonnen senken. Zur Abdeckung der Wärmegrundlast wurden im Keller zwei Blockheizkraftwerke eingebaut, die zudem etwa die Hälfte des Strombedarfs erzeugen. Zwei gasbetriebene Brennwertkessel ergänzen die Heizung; einer von ihnen kann auch mit Heizöl betrieben werden. Verteilt wird die Heizenergie jetzt mit drehzahlregelbaren Umwälzpumpen und über Regelungsventile, die exakt auf den jeweiligen Wärmebedarf abgestimmt sind. Auch die neuen Lüftungs- und Klimaanlagen sind auf Effizienz getrimmt, denn sie werden über Luftqualitätsfühler geregelt. Die Wärme aus der Abluft wird in großen Anlagen genutzt, um die Frischluft vorzuwärmen; eines der Systeme kann im Sommer die Abluft befeuchten und dadurch sogar eine Kühlfunktion übernehmen. Das ist wichtig für sensible Räume, etwa die Operationssäle oder die Intensivstation. Ein ausgeklügeltes Energiemonitoring rundet das ganzheitliche Konzept ab.

Besonders freut sich Baehr aber über die Zusammenarbeit mit ihren Partnern. „Wichtig ist, dass es immer weitergeht. Wir arbeiten mit zwei jungen Kollegen von Siemens zusammen, die sehr innovativ sind und Interesse daran haben, mit uns zusammen unseren Energieverbrauch weiter zu optimieren.“ Ein Ergebnis ist eine freie Kühlung, die jetzt eingebaut wird und durch die bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius auf den Einsatz von Kältekompressoren verzichtet werden kann. Und das nächste Projekt ist auch bereits in Planung. „Die Beleuchtung in unseren Treppenhäusern und Fluren ist sanierungsbedürftig“, berichtet Baehr. Im nächsten Schritt will sie diese nun komplett auf LED-Beleuchtung umstellen.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer