ENERGIEKONZEPT IM EUROPA-PARK

Mit größtem Vergnügen

Betriebsleiter Markus Spoth senkt den Energieverbrauch im Europa-Park, ohne den Besuchern den Spaß zu verderben. Effiziente Linearmotoren etwa katapultieren die Besucher von 0 auf 100 km/h in weniger als 2,5 Sekunden.

Der schrille Alarmton lässt die 20 Fahrgäste erahnen, dass ihnen gleich ein ganz besonderes Erlebnis bevorsteht. Doch was dann kommt, übertrifft alle Erwartungen. Im Bruchteil einer Sekunde werden ihre Körper in die Sitze der Achterbahn gepresst, und der elf Tonnen schwere Koloss schießt in weniger als zweieinhalb Sekunden aus dem Stand auf mehr als 100 Stundenkilometer. Dann nimmt die Bahn spielend eine Steigung auf 38 Meter Höhe, durchfährt eine hufeisenförmige Kurve als Anlauf für ein weites Looping und windet sich in korkenzieherähnlichen Überschlägen um die eigene Achse. „Achterbahnen imitieren die Fluglinien von Kunstfliegern“, erklärt Betriebsleiter Markus Spoth. Der gelernte Elektromechaniker ist seit 20 Jahren im Europa-Park in Rust bei Freiburg tätig, und die Achterbahn „blue fire Megacoaster“ eine der jüngsten Attraktionen im traditionsreichen Freizeitpark.

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Der Katapultstart ist nicht nur spektakulär, sondern auch äußerst effizient. „Wir haben den Abschuss nicht mit Hydraulikaggregaten oder Schwungrädern, sondern mit elektrisch angetriebenen Linearmotoren realisiert“, erläutert Spoth. „Möglich war das allerdings nur, weil wir für die blue fire-Bahn eine eigene Trafostation gebaut haben. Die regelt die 20-Kilovolt-Mittelspannung auf 690 Volt herunter. So können wir kurzfristig die erforderliche Stromstärke von 1.600 Ampere bereitstellen.“ Durch den elektrischen Antrieb wird immer nur dann Leistung abgerufen, wenn sie auch benötigt wird: in den magischen ersten drei Sekunden. Auf der 80 Meter langen Beschleunigungsgeraden sind in der Gleismitte Statoren angebracht, die in dieser kurzen Zeit ein wanderndes Magnetfeld bilden. Dieses wirkt auf das Feld, das durch Dauermagnete an der Unterseite des Zuges gebildet wird, und beschleunigt so den Megacoaster.

Spoth achtet von Berufs wegen auf Effizienz, denn seit vier Jahren ist er zusätzlich auch Energiemanager. Wobei der Europa-Park, der sich 2013 vom TÜV Süd als „Green Amusement Park“ zertifizieren ließ, schon seit langer Zeit auf Nachhaltigkeit setzt. Schon Mitte der 90er Jahre, als die Photovoltaik noch ein Schattendasein fristete, wurde eine große Solaranlage auf den Überdachungen installiert, die vom großen Parkplatz zu den Kassenhäuschen führen. Die Anlage produziert seitdem bis zu 300.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Heute wird noch an anderer Stelle Energie erzeugt: Im Flüsschen Elz, das unter anderem den romantischen Schlosspark im Themenbereich Deutschland durchfließt, liefert ein Laufwasser-Kraftwerk bis zu eine Million Kilowattstunden Strom pro Jahr, und zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke produzieren je nach Bedarf bis zu 230 Kilowatt Strom und 250 Kilowatt Wärme für Werkstätten, Verwaltungsgebäude und den Themenbereich Portugal.

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Die Liste der Anlagen, die zu Spoths Technik-Imperium gehören und die er seit einigen Jahren über eine zentrale Leitstelle bedient, ist lang. Ein eigenes 20-Kilovolt-Netz versorgt den Park über 30 Trafo-Stationen mit Strom – etwa die 36 Wärmepumpen an 25 Standorten, die vor allem die fünf angeschlossenen Hotels heizen und klimatisieren, oder die Tiefbrunnen, die zum Kühlen der Gebäude eingesetzt werden. Besonders angetan hat es Spoth aber das Thema Beleuchtung. „Licht ist hier Chefsache. Denn es ist eines der wichtigsten Mittel, um eine warme, harmonische Stimmung bei den Besuchern zu erzeugen“, sagt er. Lange Zeit wurde das mit unzähligen Glühlampen gemacht, die aber nicht nur viel Strom verbrauchten, sondern auch häufig ausgewechselt werden mussten.

Mittlerweile ist die Umstellung auf langlebige und sparsame LED-Leuchten ein besonders wichtiges Projekt des Energiemanagers, der aus Rust stammt, die alemannische Sprache perfekt spricht und seinen drei Kilometer langen Arbeitsweg mit einem elektrischen Golf-Caddy zurücklegt – eines von rund 150 Elektrofahrzeugen, die sein Arbeitgeber betreibt. „Anfangs war es schwierig, warme Lichtfarben mit LEDs zu erzeugen“, berichtet er. Doch zusammen mit einigen deutschen Herstellern entwickelten die Techniker des Parks LEDs, die den Anforderungen entsprechen und dabei mehr als 90 Prozent Energie sparen. Seither lassen gelb-rötlich leuchtende LEDs in den Altstadtlampen das Flair alter Natriumdampflampen wieder aufleben – oder aber blau blitzende Lämpchen an den Rädern des blue fire-Megacoasters den Plus der Achterbahn-Fans höher schlagen.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer