ELEKTROMOBILITÄT BEI DER POLIZEI

Mit Blaulicht und Elektromotor

Drei silberblaue BMW i3 hat Bayern angeschafft, um herauszufinden, wie einsatztauglich Elektrofahrzeuge bei der Polizei sind. In München sorgen die Polizisten Marvin Junker und Florian Wetterich damit für Aufsehen.

Auf der Zufahrt zur Tiefgarage vor der Bayerischen Staatsoper in München hat sich eine lange Autoschlange gebildet. Motoren laufen, Zweiradfahrer schlängeln sich durch, Fußgänger laufen dazwischen. Polizeihauptmeister Marvin Junker und Polizeiobermeister Florian Wetterich versuchen, Ordnung ins Chaos zu bringen. „Schlüssel steckt, Motor läuft. Aber die Dame dort im Geländewagen tippt auf dem Handy herum“, bemängelt Junker. „Das ist nach der Straßenverkehrsordnung verboten.“ Unbemerkt haben sich einige Passanten um die beiden Polizisten versammelt. Ihr Augenmerk gilt aber nicht den Ordnungshütern, sondern ihrem Auto. Ein kleines Elektrofahrzeug im Polizeieinsatz? Das ist neu. Und dann sind die drei BMW i3, die das bayerische Innenministerium für die Münchner, Augsburger und Nürnberger Polizei angeschafft hat, auch noch die ersten im Freistaat mit der neuen silberblauen Farbgebung.

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„Ohne Zweifel, mit diesem Fahrzeug sorgen wir für Aufsehen“, berichtet Wetterich. „Die Leute sprechen uns an. Viele finden es positiv und sympathisch, dass die Polizei Elektroautos ausprobiert – fragen uns aber auch nach der Alltagstauglichkeit.“ Die grundsätzliche Akzeptanz in der Bevölkerung liegt nicht nur daran, dass die Fahrzeuge lokal emissionsfrei fahren – gerade in den Innenstädten und in den Fußgängerzonen ist das von großem Vorteil. Elektrofahrzeuge können auch zum effizienteren Umgang mit Energie beitragen. Mit einem Wirkungsgrad von weit über 90 Prozent sind die Energieverluste von Elektromotoren weitaus geringer als die klassischer Verbrennungsmotoren. Zusätzliche Vorteile können die Elektroautos im Stadtverkehr ausspielen, indem sie die Bremsenergie zurückgewinnen und ihre Motoren im Stillstand nie weiterlaufen. Stadtfahrten machen bei Wetterich und Junker den Löwenanteil aus, ihre „Polizeiinspektion 11“ betreut das Gebiet innerhalb des Münchner Innenstadtrings. Wird zudem der Strom für Elektrofahrzeuge regenerativ erzeugt, dann kann ihre CO2-Bilanz nahezu neutral sein.

Das sind freilich übergeordnete Betrachtungen. Im Polizeidienst zählen mehr die handfesten Vorteile. Etwa das Ansprechverhalten der Fahrzeuge aus dem Stand und bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die 250 Newtonmeter Drehmoment liegen bei den Elektro-BMWs direkt beim Anfahren fast vollständig an und beschleunigen sie in etwas mehr als sieben Sekunden auf 100 km/h. „Beim Ampelstart schätzen wir die Durchzugskraft des Motors“, erzählt Junker. „Die Kraft liegt direkt am Rad an, und es gibt keine Verzögerungen durch Schaltvorgänge“, ergänzt Wetterich, ein gelernter Mechaniker. „Allerdings müssen wir mit der Kraft dosiert umgehen – die Reichweiten-Anzeige haben wir ständig im Blick.“ BMW gibt für den i3 eine Praxisreichweite von 130 bis 160 Kilometern an. Im Polizeieinsatz liegt sie aber deutlich darunter. „Wenn wir mit laufendem Blaulicht, Signalgebern und Funk bei einem Einsatz stehen, dann sinkt der Akkustand recht schnell“, berichtet Wetterich. Zwar sind die beiden noch bei keiner Verfolgungsfahrt liegengeblieben. „Aber wir müssen schon genau darauf achten, dass der Akku die Schichtzeit durchhält.“

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Anschließend geht es an die Ladestation im Innenhof. Der eigentliche Vorgang ist einfach: Ladekabel herausholen, Stecker anbringen, fertig. Allerdings gibt es auch hier eine Einschränkung: „Die Ladezeit beträgt etwa sechs Stunden. Wird das Elektroauto als Einsatzfahrzeug normal eingeplant, dann fehlt es in dieser Zeit“, gibt Junker zu bedenken. Ein weiteres Problem ist die Größe des Fahrzeugs. Da das Raumangebot begrenzt ist, fehlt es an Platz, um weitere Personen oder die gesamte Polizeiausstattung mitzunehmen. Auch dadurch kann der BMW i3 nicht gleichwertig eingesetzt werden.

Die Erfahrungen von Junker und Wetterich zeigen, dass auf dem Weg zu Elektrofahrzeugen, die sich für den Polizeidienst eignen, noch einiges zu tun ist. Es sind die bekannten Herausforderungen. Durch den geringen Energiegehalt der Akkus fehlt es an Reichweite. Um Reichweite zu gewinnen, werden die Autos klein und leicht ausgelegt – Platz, der den Polizisten fehlt. Und lange Ladezeiten führen bei Dienstfahrzeugen, die für den Dauerbetrieb vorgesehen sind, zu Ausfallzeiten. Fazit der Polizisten: „Wir brauchen mindestens die Größe eines Mittelklassewagens mit einer deutlich höheren Reichweite von 300 bis 500 Kilometern und kürzeren Ladezeit von maximal 15 Minuten.“ Werden diese Kernfragen gelöst, dann werden wir in Zukunft noch viel mehr Elektrofahrzeuge mit Blaulicht sehen.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Magdalena Jooss