STRASSENBELEUCHTUNG IN LED-TECHNIK

Licht ist Geld

Als eine der ersten deutschen Gemeinden begann Kieselbronn bereits 2010 mit der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED. Seitdem freut sich Bürgermeister Heiko Faber nicht nur über helleres Licht, sondern auch über gesunkene Stromkosten.

Schwäbische Sparsamkeit? Heiko Faber lacht. Man sei hier in Baden, die Grenze zu Schwaben befinde sich einige Kilometer entfernt. Und doch war es vor allem die finanzielle Einsparung, mit dem der parteilose Bürgermeister von Kieselbronn die Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung im eigenen Gemeinderat durchsetzte. Das Besondere: Die Entscheidung fiel bereits im Jahr 2010, als LED-Lampen noch als teuer und unausgereift galten. Doch die Gemeinde, ein Dorf mit rund 3.000 Einwohnern, stand vor einem Problem. Der seit 20 Jahren laufende Betriebsführungsvertrag für die 461 Straßenleuchten lief Ende des Jahres aus. Teilweise handelte sich es noch um Quecksilber-Dampflampen, für die es aufgrund eines EU-weiten Verbots ab 2015 keine Leuchtmittel mehr geben würde.

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Faber, seit 2001 im Amt, wollte eine innovative Lösung. Schließlich wirbt seine Gemeinde mit dem Slogan „Immer auf der Höhe“ nicht nur, weil sich die Siedlung auf einem Höhenzug befindet. Er diskutierte mit dem Energieversorger EnBW, der in Sachen LED zunächst ebenfalls kritisch war, schließlich jedoch ein neues Contracting-Modell vorschlug. Mit einem Modernisierungsvertrag wurden zunächst 133 Leuchten per Mietkauf angeschafft, ein parallel geschlossener Betriebsführungsvertrag sicherte die Versorgung mit Ökostrom und die Wartung. So fielen die Einsparungen in Höhe von rund 10.000 Euro jährlich sofort an, während die Investitionen sich über die Jahre verteilten. Um den zu erwartenden technischen Fortschritt bei der LED-Technik nicht zu verpassen – eine klassische Falle, in die Frühanwender neuer Technologien laufen –, enthält das Vertragswerk eine besondere Klausel: Nach acht Jahren werden alle Leuchtmittel noch einmal ausgetauscht, auch wenn sie dann das Ende der Lebensdauer noch nicht erreicht haben. Die Energie-Einsparung gegenüber den Quecksilber-Dampflampen, die heute bereits 66 Prozent beträgt, soll sich dann noch einmal spürbar erhöhen.

Geld und Energie sparen – das war aber nicht die einzige Motivation für Faber. Der Diplom-Verwaltungswirt redet geradezu begeistert von dem neuen Licht. „Die Helligkeit hat trotz der höheren Energieeffizienz deutlich zugenommen. Das erhöht die Sicherheit auf unseren Straßen“, berichtet der Bürgermeister. Zudem würde viel weniger Streulicht produziert, weil der Lichtkegel für jede Leuchte genau definiert sei. Das schütze auch die Tierwelt, vor allem die Insekten.

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Anfangs teilten jedoch nicht alle Einwohner Kieselbronns diese Begeisterung. Die Diskussion entzündete sich – wie später auch anderorts – an der Lichtfarbe. Zwar ist das mit einer Farbtemperatur von 4.000 Kelvin reinweiße Licht der LEDs in einem ähnlichen Spektrum wie das der zunächst ausgetauschten Quecksilber-Dampflampen. Aber ein guter Teil der Straßenleuchten basierte in der Vergangenheit auf Natrium-Dampftechnik, die ein sehr gelbes Licht produziert. „In einer kleinen Gemeinde kann man solchen Diskussionen nicht aus dem Weg gehen“, sagt Faber heute. Schließlich wurde ein Kompromiss gefunden: Im historischen Ortskern rund um die Ende des 13. Jahrhunderts errichtete Stephanuskirche blieben die Natrium-Dampflampen erhalten. Sie beleuchten unter anderem das „Kronschulhaus“, ein Fachwerkhaus, das die Bürger Kieselbronns in tausenden Stunden freiwilliger Gemeinschaftsarbeit saniert haben.

Die Erfahrung mit den LED-Straßenleuchten war so gut, dass in den Jahren 2013 und 2014 der große Rest der Lichtpunkte erneuert wurde. Allerdings dieses Mal ohne Mietkauf. „Wir sind schuldenfrei und kaufen lieber direkt“, sagt Faber mit Stolz. „Contracting ist eine gute Sache, wenn wenig Geld in der Kasse ist und man trotzdem investieren muss.“ Kieselbronn habe sich auf dieses Modell aber nur eingelassen, um das technologische Risiko zu mindern. Das hat sich als gering erwiesen, zu Ausfällen kam es bislang nur vereinzelt. Und auch die mangelnde Akzeptanz in der Bürgerschaft ist kein Thema mehr. Stattdessen dominiert mittlerweile Stolz auf die eigene Gemeinde. Während in mancher Großstadt in Deutschland noch diskutiert wird, hat Kieselbronn längst Fakten geschaffen. Und viele Bürger machen es wie Faber selbst: Nach und nach hält die LED-Beleuchtung auch in den eigenen vier Wänden Einzug.

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Autor: Johannes Winterhagen, Fotos: Matthias Haslauer