INFRAROTHEIZUNG

Freiheit, die ich meine

Freiheit ist ein großes Wort. Energiefreiheit ein recht neues. Mit Infrarotheizung, Solaranlage und Batteriespeicher hat Dennis Köster ein Rezept dafür gefunden. Sein Elektro-Handwerksbetrieb hat einen hohen Autarkiegrad und erzeugt deutlich mehr Strom, als er aus dem Netz bezieht.

An diesem Tag macht Husum seinem Ruf als windreichste Stadt Deutschlands alle Ehre. Es pfeift und stürmt in der Hauptstadt Nordfrieslands, die zahlreichen Windräder drehen sich in rasanter Rotation. Dennis Köster ist das nicht wichtig. Denn der Inhaber des Familienbetriebs Köster Professionelle Gebäudetechnik setzt ganz auf die Energie der Sonne. „Mit kleineren Windkraftanlagen auf Privatgrundstücken und Firmengeländen haben wir auch schon experimentiert“, erzählt er. „Aber diese Technologie ist leider noch nicht marktreif.“ Seit zwei Jahren setzt er sich für eine andere Lösung ein, die mehr Energieeffizienz verspricht. Die Formel: Man nehme eine sparsame, elektrisch betriebene Infrarotheizung und erzeuge den dafür nötigen Strom mit einer Photovoltaik-Anlage. Das Warmwasser bereite man mit einem Wärmepumpen-Boiler, der 70 Prozent der Wärme aus der Raumluft gewinnt. Und um möglichst viel selbst produzierte Energie auch selbst zu verwenden, stelle man einen Batteriespeicher auf.

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Köster steht im Flur seines 2014 eingeweihten Firmenneubaus am Rande Husums vor einem breiten Bild, das den pittoresken Tidenhafen der Stadt zeigt. „Das Bild hier ist übrigens die Heizung. Ursprünglich wollten wir mit einer Wärmepumpe arbeiten, haben uns dann aber recht kurzfristig für eine Infrarotheizung entschieden.“ Deren Wirkprinzip hat die Automobilindustrie ursprünglich für Sitzheizungen entwickelt. Im Inneren der flachen, als Bild oder auch als Spiegel getarnten Metallkörper befinden sich feine Edelstahlfilamente in der Stärke von einem Viertel des menschlichen Haares, die in ein Trägermaterial eingewoben sind und elektrisch erhitzt werden. Dabei entsteht eine große, wirksame Oberfläche, welche die Heizkörper rasch auf 80 bis 85 Grad Betriebstemperatur bringt und dabei mit maximal 1.000 Watt Leistung relativ wenig Strom benötigt. „Im Vergleich zu konventionellen Elektroheizungen sparen wir etwa 30 Prozent an Energie“, berichtet Köster. Die Heizkörper reagieren sehr schnell auf Temperaturveränderungen in der Raumluft. Deswegen kann Köster das Gebäude exakt nach Bedarf heizen. „Besonders angenehm finden die Kollegen, dass unsere Infrarotheizung Strahlungswärme erzeugt: Der Heizkörper erwärmt nicht die Raumluft, sondern die Umgebungsflächen. Dadurch wird viel weniger Staub aufgewirbelt und die Luft wird auch im Winter nicht zu trocken.“

Der zweite Meilenstein auf Kösters Weg in die Energiefreiheit ist seine Photovoltaik-Anlage mit einer Spitzenleistung von 100 Kilowatt. Die 400 Module auf dem Dach des angrenzenden Lagergebäudes werden durch Solarzellen auf dem Carport und durch eine „Smart Flower“ ergänzt: eine Sonnenblume mit zwölf Solar-Blättern, die sich im Tagesverlauf fortlaufend in die Sonne dreht und neigt. Zusammen erzeugen sie rund 95.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – das entspricht einem Tagesschnitt von etwa 270 Kilowattstunden. 30 davon kann Köster in einer Batterie zwischenspeichern, den Rest verbraucht er direkt oder speist ihn als Ökostrom ins Netz ein. „Von Mai bis Oktober müssen wir praktisch keinen Strom einkaufen“, berichtet er. „Über das ganze Jahr gerechnet liegt unser Autarkiegrad bei 70 Prozent.“ Denn beim Neubau achtete Köster auch an vielen anderen Stellen auf Effizienz, etwa bei der LED-Beleuchtung mit Präsenzmeldern oder der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Für die Umsetzung in seinem Betrieb erhielt Köster den Energieeffizienzpreis Firmengebäude 2016 von ZVEI und ZVEH.

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Mit dem Projekt im eigenen Betrieb verfolgt Köster aber noch ein anderes Ziel. „Wir wollen Spaß bei der Arbeit haben und unseren Kunden nachhaltige Produkte verkaufen, von denen wir auch wirklich überzeugt sind“, sagt er. „Indem wir die Technik für Energiefreiheit auch in unserer eigenen Firma einsetzen, sind wir gegenüber unseren Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten glaubwürdig.“ Tatsächlich ist er mit seinen beiden Co-Geschäftsführern und den 27 Mitarbeitern gerade dabei, in der Region Nordfriesland die Infrarotheizung nach vorne zu bringen. „Wir sind zwar keine große Firma, aber wir wollen damit im Kleinen unseren Beitrag für eine lebenswerte Umwelt leisten“, meint der Vater von zwei kleinen Kindern. Bevor er die Technik ins Firmengebäude brachte, probierte Köster die Infrarotheizung im eigenen Wohnzimmer aus. „Meine Frau war erst skeptisch“, berichtet er. „Aber das Wohnzimmer war schnell warm und die Staubmäuse waren weg.“

Inzwischen setzt Köster privat wie beruflich auf sein Konzept für Energiefreiheit. Besonders motivierend ist es für ihn, die Erzeugung, die Einspeisung und den Autarkiegrad minutengenau zu sehen. Auf einem großen Monitor hat Köster alle Kennwerte jederzeit im Blick. Gerade steigt die Produktion der PV-Anlage: Der Sturm hat draußen die Wolken hinweggefegt. So profitiert Köster denn doch vom nordfriesischen Wind.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer