Pizza-Lieferservice per E-Bike

Die Leisetreter

Ist die Pizza kalt, wenn sie mit dem Fahrrad geliefert wird? Mitnichten. Axel Franck hat seine Joey’s Pizza-Filiale mit Pedelecs ausgestattet. Seine Fahrer sind nicht nur schneller. Er senkt damit auch die Betriebskosten.

Länderspiel Deutschland-Australien, kurz vor Anpfiff. In der Tübinger Filiale von Joey’s Pizza klingeln die Telefone heiß. Auch über die App kommt eine Bestellung nach der anderen. Die drei Pizzaöfen sind im Hochbetrieb, die Pizzabäcker schwitzen. Doch vor der Tür in der Hechinger Straße herrscht absolute Ruhe: Für die Lieferungen stehen weder knatternde Mopeds noch Kleinwagen mit laufendem Motor bereit. Stattdessen springen die Fahrer auf E-Bikes und starten mit einem leise surrenden Geräusch ihre Fahrt zu den Kunden.

Joeys Pizza-Lieferung mit dem Pedelec

Filialchef Axel Franck schwört auf das Pedelec. Seit 17 Jahren ist der gelernte Gastronom Franchisenehmer von Joey’s Pizza. Anfangs liefen die Geschäfte gut. Doch die Lohnkosten belasteten seine Bilanz immer stärker. „Von hier aus ist es nicht weit nach Stuttgart, mit großen Arbeitgebern wie Daimler und Bosch“, berichtet er. „Deswegen ist das Lohnniveau hier schon immer hoch gewesen.“ Auf der Suche nach Einsparpotenzialen grübelte er vor einigen Jahren über einen Entfernungsreport, der seinen Umsatz geografisch aufbereitet zeigte. „Ich sah, dass ich zwei Drittel meines Umsatzes in einem Umkreis von weniger als drei Kilometern erzielte. Da hat es bei mir Klick gemacht: Mir wurde klar, dass die Lösung darin bestehen könnte, die Auslieferung auf Fahrräder umzustellen.“ Damit lag er bei Joey’s Pizza ganz im Trend: das Unternehmen setzte frühzeitig auf E-Mobilität. Seit 2012 arbeitet Joey’s systematisch an der Umstellung des Fuhrparks auf elektrisch betriebene, umweltschonende Fahrzeuge wie E-Roller, E-Autos und E-Bikes.

Für Franck war die Umstellung zunächst aber schwieriger als gedacht. Denn die Fahrräder, die er anschaffte, waren in kürzester Zeit kaputt. „Unsere Fahrer sind die härteste Anwendergruppe der Welt“, meint Franck. „Jedes Lieferfahrzeug legt täglich 70 bis 100 Kilometer zurück, manchmal auch mehr. Auf’s Jahr gerechnet sind das zwischen 25.000 und 40.000 Kilometer.“ Er suchte Rat bei einem Freund, der einen Fahrradhandel mit Werkstatt betrieb, und sie fingen an, einen stabileren Rahmen zu konstruieren. Doch die beiden merkten, dass das nicht ausreichen würde. „Schon bald sagte er mir: Axel, du musst Deine Räder elektrifizieren, sonst macht das keinen Sinn.“

Joeys Pizza-Lieferung mit dem Pedelec

Das war der Moment, in dem die beiden eine Firma zur Herstellung von Pedelecs gründeten. „Erst bauten wir handelsübliche Motoren und Akkus in die Fahrräder ein. Doch das funktionierte nicht. Die Belastung war zu hoch, und spätestens nach 2.500 Kilometern waren die Pedelecs unbrauchbar“, schildert Franck. Also konstruierten sie ihren eigenen Akku, kauften bei einer Schweizer Firma den Motor zu und bauten die E-Bikes in zwei Versionen zusammen – als normales Pedelec bis 25 km/h und als Speed-Pedelec bis 45 km/h. Größter Knackpunkt war die dabei erforderliche Reichweite von mindestens 70 Kilometern. „Mit einer Leistung von 800 Wattstunden schafft das unser Akku jetzt“, freut sich Franck. „Abhängig vom Gewicht des Fahrers und der Topografie kommt unser normales Pedelec auf 80 bis 120 Kilometer Reichweite und das Speed-Pedelec auf 50 bis 80 Kilometer.“

Seitdem schwirren Francks Pizza-Fahrer lautlos in die Tübinger Innenstadt aus. Für Franck ist das eine knallharte Rechnung: „Wenn ich mit dem Auto ausliefere, kostet mich das pro Kilometer 40 Cent; mit dem Roller sind es 20 Cent“, rechnet er vor. „Nehme ich aber das E-Bike, komme ich gerade einmal auf 10 Cent pro Kilometer.“ Auf diese Weise konnte er seine Betriebskosten signifikant senken. „Es ging darum, angesichts der Lohnsteigerungen wirtschaftlich zu überleben. Mit den Pedelecs haben wir eine Menge Geld gespart und konnten das in die Löhne investieren.“ Und Franck senkte nicht nur die Kosten: „Wir haben einen Testlauf gemacht und eine Adresse parallel mit Auto und E-Bike beliefert. Als der Autofahrer in der Nähe des Kunden war, kam ihm der Kollege mit dem E-Bike entgegen. Er war bereits auf dem Rückweg.“

Man könnte noch erwähnen, dass Franck heute ein sportbegeistertes Team hat, das aus Überzeugung Fahrrad fährt. Oder dass die Akzeptanz in der Nachbarschaft viel höher ist, weil sein Fuhrpark den Verkehrsfluss nicht mehr stört. Oder dass er keine Strafzettel mehr bekommt. Es ist aber noch viel mehr als das. Seine Fahrer legen insgesamt eine jährliche Strecke von 500.000 Kilometern zurück. Früher per Auto oder per Moped, heute mit dem Pedelec. „Bezogen auf die Emissionen eines Kleinwagens kommen da schon einige Tonnen CO2-Einsparung zusammen“, sagt Franck, der auch privat das Fahrrad bevorzugt. Wir haben nachgerechnet. Es sind 60 Tonnen, jedes Jahr.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer