ENERGIEEFFIZIENTE KLIMATISIERUNG

Die Kälte aus dem Brunnen

Im Funkhaus von Radio Bremen geht es nicht nur um heiße Beats, sondern auch um eine effiziente Kühlung von Studios und Sendetechnik. Betriebstechniker Werner Thomas setzt dabei auf Geothermie, Wärmepumpen und Betonkernaktivierung.

Der Countdown läuft: 5, 4, 3, 2, 1… Gerade noch hat der junge Radio-Moderator von „Bremen Eins“ locker mit uns parliert. Jetzt schaut er in voller Konzentration auf seinen Monitor. Ein Lämpchen auf seinem Pult leuchtet rot auf, und er beginnt mit der Abmoderation des eben gehörten Titels. In einigen Sätzen kündigt er den nächsten Titel an, Knopfdruck, und das rote Lämpchen ist schon wieder aus. Mit uns im Studio ist Werner Thomas. Der Betriebstechniker von Radio Bremen ist weniger an der Moderation interessiert, sondern wirft einen prüfenden Blick auf die Kühlbalken an der Decke. Dass er ganzjährig mit Kühlen beschäftigt ist, liegt nicht an den heißen Beats, die hier laufen, sondern an den vielen, Wärme produzierenden Geräten im Funkhaus, zum Beispiel der Sendetechnik und der Studiobeleuchtung. Seit einigen Jahren wird das bei der kleinsten Landesrundfunkanstalt der ARD besonders effizient gemacht.

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„Die Kühlung spielt in unserem Funkhaus eine zentrale Rolle“, erklärt Werner Thomas, der seit mehr als 30 Jahren als Betriebstechniker in der Rundfunkanstalt arbeitet. „Vor allem die komplexe Technik in den drei zentralen Geräteräumen, den Produktionsräumen und den Studios muss ganzjährig gekühlt werden.“ An den bis 2007 betriebenen Altstandorten wurde die Kälte noch konventionell über Kältemaschinen erzeugt. Als Radio Bremen vor einigen Jahren seinen Neubau im Herzen der Hansestadt plante, entschied sich der Sender für ein zukunftsweisendes Klimakonzept, das in der Hauptsache auf Geothermie und Grundwassernutzung basiert. Ergänzt wird die Klimatisierung durch den Einsatz einer Wärmepumpe und das Vorhalten von zwei Kältemaschinen. Neben der Einsparung von Betriebskosten soll damit auch ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. „Wir sind jetzt in der Lage, diese Kältemaschinen die meiste Zeit des Jahres abzuschalten“, berichtet Werner Thomas. „Wir benötigen sie nur noch in den Sommermonaten zum Entfeuchten und zur Niedertemperaturhaltung der Lüftungsanlagen.“

Für die brunnenbasierte Kühlung wird an vier Stellen aus 20 Metern Tiefe Grundwasser entnommen. Mehrere Pumpen fördern das kalte Grundwasser an drei Wärmetauscher. Hier wird die Kälte an die gegenläufigen Wasserkreisläufe übertragen, das rückerwärmte Grundwasser wird über Kanalabläufe in die Weser abgeführt. Über ein verzweigtes Rohrsystem werden so die zentralen Geräteräume und die beiden Fernsehstudios gekühlt, in denen unter anderem die Regionalsendung „buten un binnen“ und die Talkshow „3nach9“ produziert werden. Das gekühlte Wasser versorgt außerdem die Kühlbalken in den Produktionsräumen des Funkhauses. Auch im Winter wird das Grundwasser genutzt: Die kalte Außenluft in der Luftansaugung der Wärmerückgewinnungsanlagen wird mit Brunnenwasser vorgewärmt, was wiederum die Heizung entlastet und zur Energieeinsparung beiträgt. Auf diese Weise werden zwei Gebäude des Senders klimatisiert; für ein drittes Gebäude wurde 2014 eine Wärmepumpe installiert.

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Die Klimatisierung in den Gebäuden erfolgt aber nicht nur über die Kühlbalken. „Bereits in der Bauphase des Funkhauses wurden in die Betondecken Wasserrohre verlegt“, berichtet Werner Thomas. „Diese Methode wird Betonkernaktivierung genannt. Das Wasser wärmt oder kühlt die Betonelemente.“ Mit viel Begeisterung für Technik arbeitet Werner Thomas ständig daran, die Anlagen weiter zu optimieren. So wurden die zentralen Geräteräume anfangs noch komplett gekühlt. Um Energie zu sparen, wurden dann aber die Technikschränke mit ihren Gestellen in Einhausungen isoliert. „Durch den Einbau der Kaltgang-Einhausungen wird jetzt jede Gestellreihe gekühlt und nicht mehr der komplette Raum. Dadurch konnten wir den Energieverbrauch noch einmal deutlich reduzieren.“

Wenn sich Werner Thomas an die ersten Wochen im Neubau zurückerinnert, dann war die Steuerung der neuen Systeme seine größte Herausforderung. „So sehr wir uns über die vielen Anlagen gefreut haben – uns war aber auch klar: die Technik muss sofort rund um die Uhr funktionieren.“ Heute sieht er das entspannter. Denn besonders die Gebäudeleittechnik sei im Alltag eine große Hilfe. „Ich steuere jetzt alle Anlagen direkt vom Büro aus. Dabei sehe ich jede Störungsmeldung einzeln und brauche nicht mehr jedes Mal an den Anlagen vor Ort zu sein“, sagt Werner Thomas. Da bleibt dann hin und wieder doch mal etwas Zeit für einen Plausch mit dem Moderator.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Matthias Haslauer