Elektromobilität in Kaiserslautern

Anschluss gesucht

Elektroautos gelten als besonders effizient. Damit sie sich am Markt durchsetzen, muss jedoch erst eine Ladeinfrastruktur geschaffen werden. Yannic Bonin von den Stadtwerken Kaiserslautern geht dafür neue Wege.

Die Ampel wird grün, Yannic Bonin tippt kurz aufs Gaspedal. Zügig beschleunigt der weiße Kleinwagen auf 50 km/h und fährt zum Gelände der Stadtwerke Kaiserslautern. Der 28-Jährige wartet kurz, bis sich die Schranke hebt. Er fährt an wieder an, biegt ab auf einen Parkplatz. Bonin schaut auf das Armaturenbrett. „90 %“ steht dort in weißen Digitalziffern, sein Renault Zoe ist nach der Fahrt zu einem Termin am anderen Ende der Stadt noch gut geladen. „Wir schließen das Elektroauto aber jedes Mal an die Ladesäule an, wenn es steht“, sagt der Ingenieur, der seit drei Jahren bei den Stadtwerken Kaiserslautern (SWK) für erneuerbare Energien zuständig ist. Er führt den Stecker in der Mitte der Motorhaube in eine Buchse ein und drückt den kleinen Schalter an der Ladesäule auf „Start“.

Elektroautos der Stadtwerke Kaiserslautern

Der Renault Zoe ist eines von sieben Elektroautos, die zur Flotte des Energieversorgers gehören. „Natürlich fahren wir damit energiesparender als mit einem Benzin- oder Dieselmotor“, sagt Bonin, der sich schon als Jugendlicher für Umweltthemen interessierte. „Vor allem aber gewinnen wir wichtige Erkenntnisse für die Zukunft: Wie groß ist der Bedarf an Elektroautos in unserer Region? Wie können wir dazu beitragen, ein gutes Ladenetz aufzubauen? Und nicht zuletzt: Wo liegen Geschäftsfelder, in denen wir künftig aktiv sein können?“ Erfahrungen zu sammeln, ist für die SWK ebenso wichtig wie für sämtliche Energieanbieter in Deutschland. Wie in vielen Kommunen ist das Thema Elektromobilität zwar angekommen, hat sich aber noch lange nicht durchgesetzt. Im Jahr 2014 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt genau 8.522 E-Autos in ganz Deutschland zugelassen – bis zu der von der Bundesregierung für das Jahr 2020 angepeilten ersten Million ist es noch ein weiter Weg.

In Kaiserslautern sieht es ähnlich bescheiden aus. „Wir schätzen, dass hier bisher gerade mal 20 Elektroautos fahren“, sagt Bonin. „Das ist natürlich noch viel zu wenig.“ In seiner Heimat ist es wie überall: „Die Autokäufer scheuen die geringe Reichweite, das schlecht ausgebaute Ladenetz, den höheren Preis für die Modelle und die langen Ladezeiten.“ Diese Argumente möchte Bonin nicht vom Tisch wischen. Aber er will sie entkräften, durch positive Beispiele. Der Bio-Energie-Ingenieur, der gerade nebenberuflich seine Masterarbeit im Energiemanagement an der Universität Koblenz-Landau schreibt, hat eine klare Meinung dazu: „Ich fahre zu Terminen am liebsten mit den E-Autos“, sagt er. „So geht es den meisten Kollegen.“ Ein Grund dafür ist die Umweltfreundlichkeit – ein anderer aber auch der Fahrspaß. „An der Ampel beschleunigen sie schneller als die meisten Benziner“, erzählt Bonin lächelnd.

Elektroautos der Stadtwerke Kaiserslautern

Auch die Reichweite ist für ihn vollkommen in Ordnung, sie liegt bei bis zu 140 Kilometern. „Aber leer fahren wir das Auto sowieso nie, weil wir uns nach allen bisherigen Erfahrungen immer nur kürzere Strecken am Stück bewegen.“ Wie genau das Fahrverhalten aussieht – und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann – wird im Sommer 2015 die Auswertung des Feldversuchs bringen, den die Stadtwerke zusammen mit der Technischen Universität Kaiserslautern gemacht haben. Zwei Fahrzeuge der SWK liefern ununterbrochen Daten zu Belastungszustand, Tempo und Verbrauch.

Als nächsten Schritt hat die SWK mit den Hochschulen, der Stadt, einigen Autohäusern, der Volksbank und den beiden Ladesäulenherstellern Walther Werke und Hager einen Verein gegründet, der die E-Mobilität vorantreiben soll. „Gemeinsam wollen wir das Ladenetz ausbauen“, erzählt Bonin. Die Stadtwerke bringen dabei zwei von derzeit zehn Ladepunkten in den „Tankpool“ des Vereins mit ein. Ein Problem ist, dass es noch kein einheitliches Abrechnungssystem für das Stromtanken gibt. Eine Lösung wäre ein gemeinsamer Transponderchip für alle Säulen, über den leicht abzulesen wäre, welches Fahrzeug welche Strommenge getankt hat. „Die bisherigen Lösungen dazu kosten viel Geld und lohnen sich für keinen der Anbieter hier“, erklärt Bonin. „Wir dürfen nicht vergessen, dass bei den derzeitigen Strompreisen und einer einstündigen Vollladung gerade mal zwei bis drei Euro umgesetzt werden. Für ein funktionierendes Geschäftsmodell ist das noch zu wenig Umsatz“, sagt der Ingenieur. Er ist sich aber sicher, dass sie mit vereinten Kräften in den nächsten Jahren den Durchbruch schaffen werden.

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Autor: Marc-Stefan Andres, Fotos: Matthias Haslauer