SMART LIGHT

500 Lux, überall

Mit rund 700 sensorgesteuerten LED-Pendelleuchten sorgt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, in den Büros seiner Körperschaft für optimale Arbeitsbedingungen. Der Allgemeinmediziner weiß, wie wichtig Licht für den Menschen ist.

Ein Bürotag im Frühling. Draußen stürmt und regnet es. Der Schreibtisch ist voll, und für den Chef muss noch heute eine Präsentation fertiggestellt werden. Aber es läuft nicht so, wie erhofft: Das Telefon klingelt ständig, auch die Kollegen unterbrechen den Arbeitsfluss immer wieder. Es sieht wohl nach Überstunden aus. Draußen wird es langsam dunkler, falls man das sagen kann – so richtig hell ist es den ganzen Tag nicht geworden. Die ersten Kollegen gehen, die Büros werden dunkel. Auch im eigenen Büro wird es nach und nach dunkler. Am Schreibtisch im Lichtkegel  fällt das Arbeiten schwerer und schwerer. Die Augen werden müde. Eine Situation, die viele Büro-Arbeiter so oder ähnlich schon erlebt haben.

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„Ungünstig ist es, wenn die Dunkelheit nach und nach ins Büro kommt“, sagt Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. „Dann sinken Konzentration, Arbeitsfreude und Leistungsfähigkeit deutlich. Die Menschen ermüden langsam.“ Um das zu verhindern, ist vor allem eine gleichleibende Helligkeit wichtig. In den Münchener Büroräumen der Landesärztekammer ließ Kaplan deswegen im Zuge einer Modernisierung etwa 700 ultraflache LED-Pendelleuchten installieren. In Verbindung mit Bewegungs- und Helligkeitssensoren sorgen sie dafür, dass in jedem Büro, an jeder Stelle und zu jeder Tages- und Nachtzeit eine gleichmäßige Helligkeit von 500 Lux herrscht. Natürlich nur, solange jemand im Büro ist; ansonsten wird das Licht automatisch heruntergedimmt und schließlich ausgeschaltet, um Energie zu sparen. Neben der gleichbleibenden Helligkeit sorgt eine neutralweiße Lichtfarbe von 4.000 Kelvin dafür, dass die Mitarbeiter konzentriert arbeiten können.

„Wir haben die adaptive Beleuchtung in einzelnen Bauabschnitten umgesetzt“, berichtet Kaplan. Maximal vier Leuchten stehen pro Büro für die mittlere Beleuchtungsstärke von 500 Lux zur Verfügung. Um die Arbeitsplätze variabel anordnen zu können, gab die Landesärztekammer eine bestimmte Arbeitsfläche vor, innerhalb derer die 500 Lux gewährleistet sein müssen. Ein Ingenieurbüro wählte dann die Pendelleuchten aus. Wichtigstes Kriterium war dabei das Verhältnis von Helligkeit zu Energieverbrauch. Außerdem installierten die Ingenieure einen externen Bewegungs- und Tageslichtsensor in der Decke, exakt zwischen den vier Leuchten. Da die Lampen nicht nur direkt, sondern auch indirekt leuchten, mussten die Ingenieure mit Hilfe genauer Berechnungen verhindern, dass die Sensoren durch das indirekte Licht beeinflusst werden. Das Ergebnis ist so einfach wie überzeugend: Ist es draußen heller, leuchten die LEDs weniger stark. Wird es draußen dunkler, werden sie über ein Steuerungssystem hochgedimmt.

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Wie wichtig Licht für den Menschen ist, weiß Kaplan auch aus seiner 30jährigen Tätigkeit als Allgemeinmediziner in einer Landarztpraxis im Unterallgäu. „Depressive Verstimmungen häufen sich in den Wintermonaten, wenn es draußen lange Zeit dunkel ist“, berichtet der Arzt. „Das Licht hat unzweifelhaft Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen.“ Darüber hinaus beeinflusst Licht aber auch den Tag-Nacht-Rhythmus. Hier kommt wieder die Lichtfarbe ins Spiel. In der menschlichen Netzhaut liegen sogenannte fotosensitive Ganglienzellen, die die Informationen vom Auge ans Gehirn weitergeben. Sie können Licht im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums besonders gut absorbieren. Wenn abends der Spiegel des als Schlafhormon bekannten Melatonin ansteigt, kann blaues Licht die Hormonproduktion drosseln. Wir bleiben länger wach und können uns besser konzentrieren.

Mit der richtigen Beleuchtung am Arbeitsplatz können also gleich zwei Ziele erreicht werden. In den Wintermonaten sorgt sie für mehr Lebensfreude und gleichzeitig signalisiert sie dem Körper am Tag, wach zu bleiben. Der Mensch ist nicht nur produktiver, sondern auch wachsamer. „Wichtig ist dabei nicht nur, dass sich die LEDs an das von außen einfallende Licht anpassen. Für eine angenehme Arbeitsatmosphäre sollte das Licht auch immer von oben einfallen und nicht blenden. Vor allem Spiegelungen, etwa auf den Monitoren, sind unbedingt zu vermeiden“, erläutert Kaplan.

Durch die Modernisierung erreicht der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer aber noch ein weiteres Ziel. LED zeichnen sich durch ihre hohe Energieeffizienz aus und verbrauchen deutlich weniger Energie als herkömmliche Lampen. Mit der Steuerung über die Bewegungssensoren spart die Landesärztekammer zusätzlich Energie und Kosten. Thomas Märkl vom beauftragten Ingenieurbüro Burger & Partner hatte keine große Mühe, Kaplan zu überzeugen. „Allein durch die Stromersparnis zahlen sich die zusätzlichen Kosten durch die Sensorik schon nach 10 Jahren aus“, berichtet er. Der Minderverbrauch entspricht rund 60 Tonnen Kohlendioxid, Jahr für Jahr. Wenn die Mitarbeiter in der Bayerischen Landesärztekammer mal länger arbeiten müssen, dann können sie das nicht nur mit höchster Konzentration tun. Sondern auch mit einem guten Gewissen.

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Autor: Laurin Paschek, Fotos: Dieter Mayr